Literaturkritik.de: “…and we built the wall to keep us free” – Über den dystopischen Roman „Die Mauer“

Written by on 06/08/2019

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Literaturkritik.de: “…and we built the wall to keep us free” – Über den dystopischen Roman „Die Mauer“ von John Lanchester.

eine Rezension von Sascha Seiler

Sprecherin ist Marlisa Thumm

In seinem dystopischen Roman „Die Mauer“ schottet der britische Autor ≈ sein Land von den Bedrohungen der Außenwelt ab

Die Vorstellung, eine Mauer zu bauen, um das eigene Territorium vor unerwünschten Besuchern zu schützen, hat in diesen Tagen ja bekanntermaßen Hochkonjunktur. Der Unterschied zu früheren Zeiten ist jedoch, dass Mauern nicht mehr nur primär als Metapher dienen, sondern konkrete Bauwerke aus grauem Beton entstehen sollen, welche die angeblich drohende Massenzuwanderung von vorgeblich kriminellen Menschen zu stoppen. Wie lange glaubte man eigentlich nach dem 9. November 2016 noch, „The Wall“ sei ebenso eine Metapher für ein höheres Maß an Grenzsicherheit im Süden der USA? Doch es ist gerade die Fixierung auf einfache, auch dem Dümmsten leicht vermittelbare Inhalte, welche das vergessen geglaubte Konstrukt der Betonmauer wieder auferstehen ließen. Da kann man im amerikanischen Kongress noch so sehr über eine „Smart Wall“ – also eine Grenze, die mit Hilfe neuester digitaler Möglichkeiten überwacht wird – diskutieren, die sicherlich ein guter Kompromiss für die rivalisierenden Parteien wäre; die Komplexität einer solchen „Smart Wall“ ist nun mal nicht über Twitter vermittelbar, und so bleibt ein imaginierter Koloss, der dann doch wieder, würde er denn tatsächlich gebaut werden, zur Metapher wird. So eine Mauer beherbergt also durchaus ein komplexes Spiel mit Zeichen, und vielleicht letztlich aber doch die Sehnsucht nach auf den ersten Blick einfachen Lösungen …
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