Lyrik: Wiedergehört – Paul Carl Wilhelm Scheerbart – Literat der frühen Moderne

Written by on 03/02/2019

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Lyrik: Wiedergehört – Paul Carl Wilhelm Scheerbart – Literat der frühen Moderne

Paul Scheerbarth (Fotografie von Wilhelm Fechner, 1897)

Paul Carl Wilhelm Scheerbart wurde am 8. Januar 1863 in Danzig geboren und starb am 15. Oktober 1915 in Berlin, Er war auch unter seinen Pseudonymen Kuno Küfer und Bruno Küfer bekannt. Scheerbart war ein deutscher Schriftsteller phantastischer Literatur und auch ein Zeichner. Der junge Ernst Rowohlt verlegte 1909 Scheerbarts skurrile Gedichtsammlung Katerpoesie als eines der ersten Bücher des Rowohlt Verlags. Der Schlussvers des Gedichts “Sei sanft und höhnisch” lautet: „Charakter ist nur Eigensinn. Es lebe die Zigeunerin!“ Diesen Vers pflegte Rowohlt oft zu zitieren.

Sprecher ist Uwe Kullnick

1863 8. Januar: Paul Carl Wilhelm Scheerbart wird als elftes Kind eines Zimmermanns in Danzig geboren. Neun seiner zehn Geschwister sterben im Kindesalter. In den folgenden Jahren publiziert er in »Die Freie Bühne«, »Pan«, »Die Gesellschaft«, »Ver Sacrum«, »Die Jugend« und anderen Literatur- und Kunstzeitschriften, teilweise unter dem Pseudonym Kuno Küfer.

1893 Im eigenen »Verlag deutscher Phantasten« erscheinen »Ja … was … möchten wir nicht alles! Ein Wunderfabelbuch« (Fabeln) und »Das Paradies. Die Heimat der Kunst« (2. Auflage). Er nimmt am Freitagstreff des Berliner Schriftsteller-Klubs teil, dem u.a. Heinrich und Julius Hart, John Henry Mackay, Hanns von Gumppenberg, Bruno Wille, Otto Erich Hartleben und Christian Morgenstern angehören.

1897 »Tarub, Bagdads berühmte Köchin« (Roman). »Ich liebe dich. Ein Eisenbahnroman mit 66 Intermezzos«. »Der Tod der Barmekiden« (Roman).

1900 »Rakkox, der Billionär und die wilde Jagd« (Roman). 13. September: Scheerbart heiratet die Postbeamtenwitwe Anna Sommer und übersiedelt mit ihr nach Breege auf Rügen. Beginn des graphischen Werks. In den folgenden Jahren erscheinen seine Bücher mit eigenen Illustrationen.

1901 Februar-Juni: Scheerbart schreibt »Die große Revolution. Ein Mondroman«.

1902 Rückkehr von Breege, zeitweiliger Aufenthalt in Minden, anschließend Übersiedlung nach Berlin. »Immer mutig! Phantastischer Nilpferdroman mit 83 merkwürdigen Geschichten«. »Liwûna und Kaidôh« (Roman).

1903 Scheerbart will zusammen mit Erich Mühsam die Tageszeitung »Das Vaterland« gründen. Der Plan wird jedoch aus konzeptionellen und technischen Gründen nicht realisiert. Bedrückende finanzielle Lage.

1904 »Revolutionäre Theaterbibliothek« (6 Bände). »Der Kaiser von Utopia« (Roman).

1905 Erste Aufführung eines seiner Stücke: »Kammerdiener Kneetschke« (unter der Leitung von Herwarth Walden).

1906 Philipp Spandow und Alfred Walter Heymel gründen einen Scheerbart-Fonds, aus dem er monatlich 20 Mark für die Miete erhält. »Münchhausen und Clarissa« (Roman).

1907 Aufführung von fünf Stücken Scheerbarts im »Figaro«, einem Kabarett-Theater; dabei Debüt von Claire Waldoff in Berlin. Eine weitere Aufführung durch Claire Waldoff im Kabarett »Roland von Berlin« wird von der Zensurbehörde wegen der antimilitaristischen Tendenz der Stücke verboten.

1909 Der Band »Katerpoesie« (Gedichte) erscheint. Mit ihm begründet Ernst Rowohlt seinen ersten Verlag. Mit der Flugschrift »Die Entwicklung des Luftmilitarismus und die Auflösung der europäischen Land-Heere, Festungen und Seeflotten« tritt der erklärte Pazifist Scheerbart dem Militarismus des deutschen Kaiserreichs entgegen.

1910 Scheerbart wird Mitarbeiter an Herwarth Waldens Zeitschrift »Der Sturm«.

»Das perpetum mobile, Geschichte einer Erfindung« (Abhandlung) 

1911 In den Berliner Kammerspielen findet eine Matinée mit Scheerbarts Stücken »Isis« und »Der Direktor« statt.

1913 »Lesabéndio, ein Asteroidenroman«.

1914 »Glasarchitektur« (Abhandlung). Angeregt von diesem Buch gründet der Architekt Bruno Taut die Gruppierung »Die gläserne Kette« und widmet Scheerbart sein Glashaus (Pavillon der Glasindustrie) auf der Kölner Werkbundausstellung. Freunde gründen erneut einen Fonds zur finanziellen Unterstützung von Scheerbart. Nach dem Ausbruch des Weltkriegs nimmt Scheerbart kaum noch Nahrung zu sich. 1915

  1. Oktober: Paul Scheerbart stirbt in Berlin an Gehirnschlag.

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