“Kummer ist die kälteste der Saaten” – Uwe Kullnick spricht mit Harald Albrecht – Lyrik on Stage mal anders

Geschrieben von an Donnerstag,28.05.2026

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“Kummer ist die kälteste der Saaten” – Gedichte. Uwe Kullnick spricht mit dem Autor Harald Albrecht (sie hören erstmals die von uns entwickelten Bibliophone *  **, hier als Entré ins Buch)

Lesung  und Gespräch, Hördauer: 77 Minuten

“Bibliophone Songs” *  **

Kummer

Kaiser Meiji schreibt ein Gedicht für dich (Version 1)

Kaiser Meiji schreibt ein Gedicht für dich (Version 2)


„Kummer ist die kälteste der Saaten“
ist ein streng komponierter Gedichtband. Er entfaltet eine vielschichtige, philosophisch geprägte Sprachwelt. In klaren formalen Strukturen entsteht Lyrik, die Ordnung in eine wandelbare, oft unübersichtliche Wirklichkeit bringen will. Die Gedichte bewegen sich zwischen kulturellen und religiösen Bezügen, verbinden Denk- und Erfahrungsräume und erkunden die Macht der Sprache, Wahrnehmung und Form. Präzision der Form, Intensität des Ausdrucks und ein weiter geistiger Horizont prägen diese poetische Erkundung der Welt.

Harald Albrecht ist Lyriker, Verleger und Unternehmer und lebt mit seiner Familie in München. Er studierte Volkswirtschaft, Geschichte und Philosophie in Freiburg im Breisgau, Paris und Albany (NY) und wurde 1981 zum Dr. rer. pol. promoviert. Gemeinsam mit Elke Albrecht führt er den APHAIA Verlag in München, der sich zunehmend als Lyrikverlag etabliert hat und seit 2021 Mitausrichter des Lyrikpreises München ist. 

Als Lyriker arbeitet Albrecht an einem auf zwölf Bände angelegten Zyklus; jeder Band umfasst 84 Gedichte, häufig in Zwölferreihen angeordnet, die Einzelgedichte überwiegend in fünf oder sechs Strophen zu je drei Zeilen — eine Form, in der Jürgen Brôcan eine Reminiszenz an Wallace Stevens und „die Allmacht der Sprache” sieht. Brôcan widmet Albrechts Lyrik in seinem Essayband Augenblicke der Anwesenheit (2025) einen Beitrag und charakterisiert ihn als „Poeta doctus im besten Sinne”.

Veröffentlichungen (Auswahl):

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Redaktion und Realisation

 * Ergänzung zum Beitrag: Drei bibliophone Songs zu „Kummer”

Damit Sie nicht nur über dieses Buch lesen und das Gespräch mit dem Autor hören, sondern Harald Albrechts Lyrik auch in einer ganz anderen, neuartigen Form erfahren können, haben wir dem Beitrag zwei bibliophone Songs zur Seite gestellt. Eines trägt den Titel des Gedichts, das namensgebend für das Buch ist – Kummer – ein anderes den Titel Kaiser Meiji schreibt ein Gedicht für dich und beide versuchen, in zwei bis drei Minuten einen Eindruck von Klang, Stimmung und Gedankenraum dieses streng komponierten Bandes zu geben. Wer mag, hört zuerst die Lesung, dann das Gespräch und anschließend die beiden Bibliophone oder er geht den umgekehrten Weg. Beides ist richtig.

Was hier passiert – und warum es uns wichtig ist

Unter dem Dach des Literaturradio Hörbahn produziere ich, Uwe Kullnick, eigene Songs mit der Musik-KI-Suno – für Demokratie und Europa, für Lyrik-, Literaturerweiterungen, für „Radio Liberton”, für unser Schulprojekt zur Demokratiebildung, für Hörbücher sowie als bildbeschreibende Musik für Vernissagen. Im Zentrum steht die Bibliophonie: Songs, die Bücher aus unserem Haus und befreundeten Verlagen in zwei, drei Minuten musikalisch vorstellen und erfahrbar machen. Idee, Text und kuratorische Verantwortung liegen bei mir. oder bei den vorgestellten Autoren; die KI ist Werkzeug, nicht Autor. So entsteht Musik mit Haltung, Inhalt und Texterweiterung – kostengünstig, vielfältig und passgenau zum jeweiligen Inhalt vor allem aber auch individuell und persönlich.

Warum wir Bibliophone für etwas Besonderes  halten.

Lyrik wird seit jeher gelesen, vorgetragen, vertont, illustriert. Was die Bibliophonie hinzufügt, ist ein drittes Hörzentrum neben Lesung und Gespräch: ein eigenständiger musikalischer Zugang, der das Gedicht nicht ersetzt und nicht erklärt, sondern ihm eine zweite Stimme leiht. Die drei hier hörbaren Songs nähern sich Harald Albrechts Versen aus zwei unterschiedlichen Richtungen – einmal getragener, einmal kantiger, beide aber dem Ton des Bandes verpflichtet: Präzision der Form, Intensität des Ausdrucks, ein weiter geistiger Horizont. Erst zusammen mit dem gelesenen Gedicht und dem Gespräch mit dem Autor entsteht das, was wir uns von dieser neuen Form der Literaturpräsentation erhoffen: dass ein Buch nicht nur gelesen oder gehört, sondern erlebt wird – mit Ohren, Gedanken und einem kleinen Resonanzraum im Inneren.

Hörvorschlag

Hören Sie zuerst Song 1 Kummer* – lassen Sie sich auf die Stimmung ein.
Lesen Sie dann das Gedicht aus dem Band **.
Hören Sie anschließend Song 2 (3) Kaiser Meiji schreibt ein Gedicht für dich * – und beobachten Sie, was sich verändert hat.
Wenn Sie möchten, geben Sie uns Rückmeldung: Was hat der Song für Sie geöffnet? Was hat er verstellt?

 
Genau dafür ist die Bibliophonie gedacht: nicht als Konkurrenz zur Literatur, sondern als ein neues Fenster auf sie. Wir freuen uns, wenn Sie es mit uns öffnen.
** Text “Kummer”


Kummer —

ist die kälteste der Saaten, ist
das von warmer Hand vollzogene
Verlassenwerden, Verschüttet-, Schutt, ist

was draus wächst, ein Reim
auf die’s zurechtrückende Schrecke über
Feld, Saat, säender Hand und

Sommerhagel aus
heiter Nichts.  Hrim
rusan bond.

Sitzfleisch, Bindegewebstuhl, der Cocktail
(on the rocks).
Die Regenbogenrippe … Feuer

sagen die einen.
Kummer andere.
Ich aber sage

: was die Liebe begehrt
ist’s.

________________________

Kaiser Meiji schreibt ein Gedicht für dich

beginnt’s  fünfsilbig (katashi tote)
im Modus coniunctivus,
dem der Verbindung dienlichen

Tod.
Omoi tayumaba. 
Eine Aufgabe, die sich selbst erfüllt.

Der alte Kaiser wartet.
Er weiß den Silbenhebel (den Nebel)
am Werk. Auch wenn es schwer ist (nanigoto mo)

werden die Tempel gebaut. Luftige Orte für
vertrauliche Mitteilungen und nachgetragene Einsicht.
Nichts mehr. Naru koto araji.

In ihrer einen wirst du schlüpfen,
siebensilbrig, wie
 in einen neuen Körper.

Hito no yononaka.

 


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